Da stürmte der Trainer die Matte

Ein Bericht von Sport aus Mainz von Gert Adolphi zur Bundesligabegegnung SV Triberg/Nackenheim am 31.10.2017.

Begleitet von einer Reihe ungünstiger Schiedsrichterentscheidungen verfehlte Ringen-Bundesligst Alemannia Nackenheim das Ziel, beim SV Triberg zu punkten. Auch der direkte Vergleich ging durch die 13:19-Niederlage verloren.

Triberg. Dass sie beim SV Triberg 15 bis 16 Punkte abgeben würden, hatten die Bundesligaringer des SV Alemannia Nackenheim einkalkuliert. Trotzdem hatten sie sich einen Sieg oder zumindest ein Unentschieden ausgerechnet. Doch dann liefen zwei Kämpfe nicht wie erhofft, und die Alemannen verloren 13:19. Ihre Play-off-Teilnahme gerät dadurch nicht in Gefahr, doch den vierten Tabellenplatz werden sie wohl noch an die Triberger abtreten müssen.

Eine Mitschuld am Ergebnis lastete Cengiz Cakici dem jungen Schiedsrichter Benjamin Senn an. „Der hat heute mal üben dürfen“, sagte der Nackenheimer Trainer. „Die Übung ist nicht gut ausgegangen. Nicht für ihn und nicht für uns.“ Cakici war so aufgebracht, dass er einmal auf die Matte stürmte, um mit dem Mattenleiter zu diskutieren. Dafür handelte er sich eine Gelbe Karte ein.

Cakicis Ärger entzündete sich insbesondere an den Kämpfen von Robin Ferdinand im Freistil-Schwergewicht und von Kubilay Cakici im Freistil-Weltergewicht. Bei beiden war der Trainer von einem Sieg ausgegangen. „Aber da gab es Entscheidungen, die mehr als fragwürdig waren“, sagte Cakici. „Das war schon arg krass. Selbst die Zuschauer, mit denen ich mich nachher unterhalten habe, konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen.“

Wertungen gehen in die andere Richtung 

Ferdinand hatte Rares Chintoan in der gefährlichen Lage. Senn pfiff ab, da er am Auge des Nackenheimers etwas Blut entdeckt hatte. Möglicherweise eine etwas unglückliche, aber regelkonforme Entscheidung. Doch der Schiedsrichter vergaß auch, Ferdinand zumindest eine Zweierwertung zuzuschreiben. Der Alemanne führte dennoch nach vier Minuten 8:4.

„Robin hat wie gewohnt saustark gekämpft“, sagte Cakici. „Nur die Wertungen sind plötzlich in die andere Richtung gegangen. Das war schon komisch.“ Ferdinand verlor noch 8:11 und gab zwei Mannschaftspunkte ab. Gerechtfertigt aus der Sicht der Gäste aber wäre ein Sieg ihres Mannes in gleicher Höhe gewesen. Das machte in der Summe schon vier Punkte aus, um die sich die Nackenheimer betrogen sahen.

Als Kubilay Cakici im abschließenden Duell auf die Matte ging, stand der Sieg der Gastgeber bereits fest. Doch wenigstens im direkten Vergleich wollten die Nackenheimer nach ihrem 19:14-Hinkampferfolg die Nase vorne behalten. „Kubi lag 0:5 zurück, und keiner wusste, warum“, sagte sein Vater. „Dann macht er eine Viererwertung, bekommt danach aber eine Verwarnung wegen Fingerfassens. Auch das war mehr als lächerlich.“ Sein Sohn verlor am Ende 9:10, gab einen Mannschaftpunkt ab, und damit ging auch derr direkte Vergleich an die Triberger. „Ich kann Robin und Kubi keinen Vorwurf machen“, sagte der Trainer. „Beide haben Gas gegeben vom Feinsten.“

Kulinycz von der Matte zum Flughafen 

Die übrigen Kämpfe endeten überwiegend mit den erwarteten Ergebnissen. Dass Ahmed Al-Faraj, Bekir Demir und Ali Can Cakici entscheidend verlieren würden, war abzusehen. Ein klein wenig optimistischer waren die Alemannen bei Ibrahim Fallacara. „Insgeheim hatten wir gehofft, dass Ibi keine Vier abgibt“, sagte der Coach. Doch Kristian Fris, Fallacaras Gegner im Greco-Leichtgewicht ist Europameister, und der aus dem Federgewicht kommende Nackenheimer hatte zudem Gewichtsnachteile. „Ibi hatte mit seinen 63 Kilochen im Bodenkampf keine Chance“, stellte Cakici fest. „Fris hat ihn gedreht und gehoben, wie er wollte.“ Nach 45 Sekunden stand Fallacaras technisch überhöhte Niederlage fest.

Auf die Siegringer der Rheinhessen war allerdings auch Verlass. Arkadiusz Kulinycz hatte außerplanmäßig die Begegnung eröffnet, da die Gastgeber darum gebeten hatten, den Kampf vorzuziehen. Den Alemannen kam das zupass, da auch Kulynycz möglichst schnell zurück in seine polnische Heimat wollte. Nach knapp über einer Minute hatte der Nackenheimer seine Pflicht mit einem technisch überlegenen Punktsieg erfüllt und durfte duschen gehen, bevor Abteilungsleiter Ralf Wagner ihn umgehend zum Flughafen fuhr. Auch Bayram Shaban setzte sich gegen Vladislav Wager, der erstmals ohne Übergewicht im Freistil-Federgewicht antrat, entscheidend durch. Gleiches gelang Zoltan Levai im Greco-Weltergewicht.

Cakici extrem verärgert 

Denis Kudla musste sich im Greco-Halbschwergewicht gegen Oliver Hassler mit einem Mannschaftspunkt begnügen. Technische Wertungen gab es beim 2:0-Sieg des Vizeweltmeisters nicht. „Denis hat sein Programm gegen seinen sechs Kilo schwereren Gegner runtergespult“, sagte Cakici. „Er ist sechs Minuten marschiert. Aber auch er hat eine Passivitätsverwarnung bekommen. Das war äußerst merkwürdig.“

Für den weiteren Saisonverlauf ist es im Grunde unerheblich, ob die Alemannen die Runde als Dritter, Vierter oder Fünfter abschließen. Nur der Gruppensieger genießt einen Sonderstatus: Er hat in der ersten Play-off-Runde Freilos. Alle anderen Mannschaften landen gleichberechtigt im Lostopf.

Für Cengiz Cakici war das unmittelbar nach der schmerzlichen Niederlage kein Trost. „Für uns als Aufsteiger wäre es eine geile Sache, wenn wir nicht nur eine oder zwei Mannschaften hinter uns lassen könnten, sondern drei“, sagte der Nackenheimer Trainer. „Je besser die Endplatzierung ist, um so schöner sieht das aus.“ Mit bislang fünf Siegen stehen die Alemannen dennoch glänzend da. Auch das konnte Cakici unmittelbar nach der Niederlage kaum besänftigen. „Es ist kein Weltuntergang“, sagte der 45-Jährige. „Aber mich ärgert es extrem. Ich bin sehr, sehr angefressen.“


Quelle: Liga-Datenbank

 

2017-11-07T17:36:40+00:0007.11.2017 17:36|0 Kommentare